< Wie man das Glück in die Schule bringt
05.01.2020 09:17 Alter: 54 days
Kategorie: Schulnews
Von: RM, NN

Sind unsere Schüler*innen fit für das 21. Jahrhundert?


 

21st Century Skills - ein neuer Begriff, eine alte Fragestellung und eine zielstrebige Schule!

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen werden die Schüler*innen in ihrem Berufsleben benötigen? Wie können Lehrpersonen den Lernenden die geforderte soziale Kompetenz vermitteln? Wie kann den Schüler*innen die geforderte Flexibilität in der Arbeitswelt in einem starren Schulsystem vermittelt werden? Ist die digitale Kompetenz wirklich ausschlaggebend für den Berufsweg unsere Absolventen?

Wir, die Lehrpersonen der HAK/HAS Lustenau, haben  konsequent unseren Weg ins 21. Jahrhundert eingeschlagen. Der Rahmen dieser Mission ist ein Schulprogramm, das alle Lehrer*innen mitentwickelt haben. Dabei weichen wir nicht vom Lehrplan und dessen Inhalten ab, vielmehr wird das Angebot zur Erlangung von gefragten Schlüsselkompetenzen erweitert. Als Basis für die Definition unserer Schlüsselkompetenzen dient dabei der "ibw (Institut für Bildungsforschung Wirtschaft) Forschungsbericht 187 – Skills for the future“.

 

Soziale Kompetenzen als wichtige „Skills“ für zukünftige Mitarbeiter

Dieser stuft soziale Kompetenz und Mitwirkungskompetenz als Megatrend für zukünftige Anforderungen an die Mitarbeiter*innen ein. Schlüsselkompetenzen also neben Team- und Kommunikationsfähigkeit.

Durch Gespräche mit Unternehmen und Unternehmern für uns schon länger als Trend klar erkennbar, haben wir gerade im Bereich der sozialen Kompetenz sehr viel getan: Einführung eines Klassenrates und eines Lehrerfeedbacks,  ein neues Tutoren-System sowie eine Unterstützung für unsere „Erstklässler“ in Form einer sanften Eingangsphase, die auf die Anforderungen des Schultyps besser vorbereiten soll. Und schließlich unser neuestes „Baby“: das Freifach „Glück“.

Klassenrat

Voll in den Unterricht integriert, findet der Klassenrat sechs Mal im Jahr für alle Schüler*innen gleichzeitig statt. Beim Klassenrat wird über Probleme diskutiert, Schüler*innen entwickeln eigenständige Lösungen und bewegen damit letztlich die Schule. Demokratiefähigkeit ist für uns kein verstaubtes Stichwort aus dem Lehrplan – unsere Schüler*innen leben die Diskussionskultur!

Eine App für Lehrerbewertung? Alter Hut!

In letzter Zeit gab es um die Schul- und Lehrerbewertungsapp „Lernsieg“ große Aufregung. An der HAK/HAS Lustenau gehört das Feedback von Seiten der Schüler*innen für die Lehrkräfte schon lange zum Alltag. Mithilfe unseres Rückmeldesystems wird jede Lehrperson in jedem Schuljahr von mindestens zwei Klassen bewertet. Ziel dieser Schülerrückmeldung ist es natürlich, der Lehrperson Aufschluss darüber zu geben, wie ihr Unterricht bei den Schüler*innen ankommt und somit ein Gespräch zwischen Lehrpersonen und Lernenden zu initiieren. Die stetige Verbesserung der Unterrichtsqualität muss ja Prämisse jeder lehrenden Institution sein. mehr lesen

Freifach Glück

Glück an der Schule, glückliche Schüler*innen? Geht das? Natürlich, finden Bianka Hellbert und Gudrun Diem. Die beiden Glücksexpertinnen haben an der HAK/HAS Lustenau begonnen „Glück zu säen”. Und zwar in Form von Glücksunterricht. Schließlich könne man Glück tatsächlich lernen. Oder vielmehr “trainieren”, wie einen Muskel. Damit ist die HAK/HAS Lustenau die erste Oberstufe, die in Vorarlberg das Schulfach ‚Glück‘ eingeführt hat – als Vorreiter in Westösterreich. Das Freifach Glück nimmt sich der Aufgabe an, junge Menschen auf ihr späteres Berufsleben und den damit verbundenen zunehmenden Druck besser vorzubereiten indem persönliche Stärken sichtbar gemacht und Wertschätzung ausgedrückt werden.  mehr lesen

 

Methodenkompetenz - digitale Kompetenz

Bereits vor der digitalen Agenda des Landes Vorarlberg haben wir uns überlegt, wie wir unsere Schüler*innen auch „digi-fit“ machen können. Unser Zugang zu diesem globalen Trend weicht von Bekanntem ab. Wir haben uns nicht auf die Testung von Schüler*innen in eigens dafür eingerichteten Digi-Fächern spezialisiert, sondern gehen einen breiteren, integrativen Weg. Die Lernenden sollen mit den Lehrenden gemeinsam die Anforderungen in der IT in jedem Fach lernen. Aus diesem Grund wurde ab der 2. Klasse BYOD eingeführt. Jede*r arbeitetmit seinem eigenen Laptop, dabei ist die Kompatibilität eine Herausforderung, die es zu überwinden gibt – eine erste wichtige Kompetenz! Sich selbst unter Kontrolle zu haben, um nicht abgelenkt zu werden, eine zweite. Im Vordergrund steht jedoch die Verwendung des Computers, der IT, in allen unterrichteten Fächern. Nur so ist ein ganzheitliches Erlernen von Digitalisierung möglich - davon sind wir überzeugt. Ja, natürlich zählt auch das Freifach „Programmierung“ dazu, aber grundsätzlich haben wir beschlossen, Schüler*innen in die Skills einzuführen, die sie in einer digitalisierten“ Arbeitswelt benötigen: Online-Zusammenarbeit, Austausch von Dokumenten, Einsatz verschiedenster Programme, etc. Niemals sollte dabei die für die Zukunft so wichtige „Flexibilität“ aus den Augen verloren werden. Nichts bleibt ewig gleich, so lehrt uns die Erfahrung. Kein Programm wird also ewig gleich funktionieren, Programmiersprachen werden weiterentwickelt, verschwinden, kommen neu dazu. Unser Ziel ist es, die Problemlösungsfähigkeit der Schüler*innen zu erweitern, durch fächerübergreifendes Unterrichten und die Schulung des Systemwissens.

 

Medienkompetenz

In den letzten Jahren ist die Forderung nach einer Schulung der Medienkompetenz gestiegen. Wir gehen darauf ein, indem wir die Lernenden in der ersten Klasse Fit4IT machen und ihnen und uns ein Jahr Zeit geben, die wichtigsten Tools und Programme kennenzulernen. Gemeinsam lernen wir, was Kommunikation bedeutet und wie diese stattfinden sollte. Zusätzlich zur adäquaten Nutzung der Medien werden Medieninhalte kritisch hinterfragt und bewertet. Medienkompetenz bezieht sich dabei nicht nur auf das Schulleben und die neuen digitalen Kommunikationstechnologien, sondern auf alle Medien, einschließlich Fernsehen und Kino, Radio und Musik, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften.


Wirtschaftliche Kompetenz

Die wirtschaftliche Kompetenz ist uns in die Wiege gelegt und stellt unsere Kernkompetenz dar. Viele Quereinsteiger aus der Privatwirtschaft bereichern in diesem Sinne unser Kollegium. Es entsteht ein reger Austausch zwischen der pädagogischen Vorgehensweise und der betrieblichen Praxis. Das wirtschaftliche Grundwissen wird in unterschiedlichen Ausbildungszweigen vertieft und mit aktuellen Trends und Herausforderungen verknüpft, wie zum Beispiel dem Klimawandel. Ein Beispiel ist das Projekt „Vision: Klimaneutrale Schule“. Es gilt und galt dabei der Grundsatz: Nicht starres Wissen steht im Vordergrund, sondern die Kompetenz, Erlerntes anzupassen, zu kombinieren und weiterzudenken.


Vision: klimaneutrale Schule

Die Schüler der 4. Klasse Sozial-Management haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Schule klimafreundlicher zu gestalten. Nach der Teilnahme an der "fridays for future"-Demonstration beschlossen sie im Rahmen eines Projektes, ihren Teil zum Klimaschutz beizutragen. Es wurden auto- und mopedfreie Tage im Advent ausgerufen, ein Mülltrennungs-Workshop für die Schule organisiert und das Klima-Bewusstsein durch die Verbreitung der App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ gefördert. Durch den Einsatz der Suchmaschine „Ecosia“ konnten schon einige Bäume im Namen der HAK/HAS Lustenau gepflanzt werden. mehr lesen

 

Zusammenarbeit mit Unternehmen

Wir sehen die Kooperation mit Unternehmen als unerlässlich in der Schulung wirtschaftlicher Kompetenz an. So ist die Grundlage für die Handelsschule mit Lehre eine enge Kooperation mit dem Gewerbeverein Lustenau. Nur durch diese Zusammenarbeit ist es möglich, den ca. 20 Schüler*innen insgesamt 100 Stunden Schnupperzeit und weitere ca. 2.000Stunden Praktikum zu ermöglichen.

Ab Jänner 2020 gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt in dieser Richtung:  Erstmalig wird ein Speed-Dating zwischen unseren Maturant*innen und den Unternehmensvertreter*innen stattfinden. Wir sind schon gespannt auf das Feedback!