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07.03.2020 08:57 Alter: 81 days
Von: NN

Karotten, Esel und brummende Helikopter


Warum man bei einem pädagogischen Tag auch Tränen lachen kann

Kommentar von NN

Pädagogische Tage sind ja nicht unbedingt als Spaßbringer der Nation bekannt. Gerne werden knifflige pädagogische Fragestellungen, über die man „längst mal diskutieren” sollte, für solche Tage aufgespart. Wenn dann der Mund fusselig geredet ist, das letzte Glas lauwarmen Lustenauer Leitungswassers hinuntergewürgt (eine wahre kulinarische Köstlichkeit) und sämtliche Ergebnisse auf großformatigen Postern festgehalten wurden, bleibt oft ein Gefühl undefinierbarer Leere zurück. Wenn man stets im eigenen Saft gart, dann werden neue, exotische Geschmacknuancen sich eben nicht von selbst einstellen – anders gesagt: Eine zündende Idee zur Problemlösung war selten dabei.

Die Organisatorin Bianka Hellbert hatte dieses Setting wohl im Hinterkopf, als sie für den diesjährigen pädagogischen Tag eine ganz andere Herangehensweise vorschlug: Wissenschaftlicher Input zum Thema „Lehrergesundheit und Wellbeing“. Ja geht denn das?

Es geht und das auch noch höchst unterhaltsam. Denn was sich da am Rosenmontag in den Hallen der HAK Lustenau abspielte, hatte höchsten Unterhaltungswert: Wussten Sie, dass manche Lehrpersonen Eseltreibern ähneln, wenn sie ihre Schüler motivieren möchten? Mit Karotte als Lockmittel? Nein? Ähnlich bildhaft auch die Beschreibung von Teilen der Elternschaft: Vom Rettungs- zum Militärhelikopter, vom Löschflugzeug bis zum ständig kontrollierenden Verkehrsflieger. Was da so leger präsentiert wurde, basiert aber doch auf wissenschaftlichen Ergebnissen, ebenso wie die Erkenntnis, dass Lehrer ihren Job häufig aufgrund von Frustration hinschmeißen. Ja, unglaublich – wo wir doch laut einem bekannten Wiener Politiker bereits am Dienstagmittag ins Wochenende gehen dürfen, relaxed eine Piña Colada am heimischen Balkon schlürfend. Wo soll denn da Frustration aufkommen? Auch dafür gibt es Erklärungen: Lehrer können laut einer Studie deutlich schlechter abschalten als Berufstätige anderer Sparten. Sie nehmen „ihre Arbeit mit nach Hause“ – nicht nur buchstäblich gemeint in Form von Hausaufgabenheften, versteht sich. 63 % der Beschäftigten im Sektor Erziehung und Unterricht berichteten bei einer Erhebung im Jahr 2012 von diesem mangelnden „Abschaltenkönnen“, das auf Dauer in einem Erschöpfungszustand gipfeln muss.

Aber Jammern gilt nicht – und hilft im Übrigen auch nicht, wie spätestens seit Rosenmontag klar ist. Eine tolle Unterrichtsstunde, erfolgreich abgeschlossene Projekte, Schülererfolge bei der Matura oder schlicht ein nettes Kaffeetscherl in der Freistunde – das sind Dinge, die das Lehrerwohlbefinden steigern. Befinden zumindest unsere Lehrer. Und das höchste der Gefühle ist es uns harten, gestandenen Lehrkräften, wenn einer am Ende seiner Schullaufbahn vorbeikommt, einer von den jahrelang Betreuten, und ein einfaches Wörtlein sagt: „DANKE.“