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06.04.2020 15:59 Alter: 334 days
Kategorie: Schulnews
Von: NN

Schwein gehabt!


Foto © Christoph Eichhorn

Wie man eine Klasse „managt“ und sich über einen glücklich ausgesuchten Fortbildungstermin freuen kann

Wir Lehrer von der BHAK/BHAS Lustenau haben in diesem Frühjahr im wahrsten Sinne des Wortes, gleich zweifach, Glück gehabt. Nicht nur, dass wir uns in einer ersten Fortbildung mit dem Thema des Wohlbefindens von Lehrpersonen beschäftigen durften; nein, wir konnten auch – gerade noch so – unsere zweite Fortbildungsveranstaltung durchführen, bevor unsere Schule coronabedingt schließen musste. Punktlandung: Der Vortragende zum Thema „Classroom-Management“ wurde gerade wieder zum Bahnhof kutschiert, um ins heimische Chur zurückzukehren, als bereits über alle Medienkanäle verkündet wurde, dass eine Schulschließung fix sei.

Auch inhaltlich konnten wir uns mit diesem zweiten Workshop glücklich schätzen: Der international anerkannte Experte Christoph Eichhorn, Schulpsychologe und Buchautor, außerdem Lehrbeauftragter u. a. an der Universität Konstanz, stellte uns Classroom Management vor, eine Methode, die helfen soll, Klassen zielgerichtet zu führen, ohne Störungen zu provozieren. Man könnte auch sagen, dass Störungen, z. B. durch das Einführen und Einhalten von Ritualen und durch einen sehr beziehungsorientierten Ansatz der Lehrperson, im Keim erstickt werden. Zu den Grundpfeilern von Classroom Management gehören neben besagten Ritualen so plausibel klingende Maßnahmen wie eine gute Unterrichtsvorbereitung und sofortige Intervention bei Fehlverhalten von Schüler*innen.

Das ist sei doch ein alter Hut, werden erfahrene Lehrpersonen jetzt einwenden; theoretisch wüssten wir doch, dass etwa das „management by walking around“ bei Gruppenarbeiten dazu führt, dass Teams wirklich arbeiten und sich nicht in Alltagsplaudereien über die Wochenendplanung verlieren. Dies aber praktisch und anhand von Videobeispielen vor Augen geführt zu bekommen oder gar eigene Beispiele aus dem Unterricht in einer Gruppe von Kolleg*innen durchsprechen zu können, eröffnet eine neuere, intensivere Möglichkeit der Auseinandersetzung mit diesen Werkzeugen und mit alltäglichen Situationen aus dem Lehrerleben.

Erfrischenderweise versucht Classroom Management nicht, Patentlösungen vorzugeben für jede dieser besagten Situationen. Das wäre vermutlich auch reichlich wenig ehrlich, meinte unser Vortragender, denn klar ist: Jeder unserer Schüler ist anders, ein Konflikt unterscheidet sich vom anderen und Lösungsansätze, die man in jedem Fall „drüberstülpen“ könnte wie einen alten Hut – ja, die gibt es halt leider nicht. Stattdessen machte uns der Vorsitzende in ausführlichen Diskussionsrunden klar, über wie viele Lösungsansätze wir im Lehrerkollektiv bereits verfügen. Mit frisch gestärktem Selbstbewusstsein wieder ins Klassenzimmer? Nein, aber ins Homeschooling. Kreativität und Entschlusskraft sind auch da vonnöten.